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    Zuchtziel - Leistungprüfung
    Zuchtwertschätzung - Zuchtwerte - Zuchtfortschritt

Züchten ist nicht gleich Züchten

Züchten heißt Nachkommen zu erzeugen, die im Durchschnitt besser sind als ihre Eltern.

Um zu züchten bedarf es eines definierten Zuchtzieles

Das Zuchtziel von PIG Austria ist es, vitale Schweine zu züchten, die unter zukünftigen Produktionsbedingungen den höchst möglichen wirtschaftlichen Gewinn sicherstellen. Das Zuchtziel unseres PIG Austria Zuchtprogrammes für die Mutterrassen Edelschwein und Landrasse sowie für die Vaterrasse Pietrain ist im Gesamtzuchtwert (GZW) definiert. Der Gesamtzuchtwert umfasst die wichtigsten Merkmale, die züchterisch in einer Population bearbeitet werden.

Der Gesamtzuchtwert

Zuchtziel Mutterrassen

Das Zuchtziel unserer Mutterrassen Edelschwein und Landrasse ist balanciert. Neben Produktionsmerkmalen sind auch funktionale Merkmale stark gewichtet.

Zuchtziel Vaterrasse

Das Zuchtziel unserer Vaterrasse Pietrain beinhaltet ökonomisch wichtige Merkmale sowie Effizienz- und Fleischqualitätsmerkmale. 

Die Basis der Zuchtwertschätzung sind Leistungsdaten aus verschiedenen Haltungsumwelten

Die Auswahl der Zuchttiere soll auf Basis ihres Zuchtwertes erfolgen. Der Zuchtwert beschreibt nichts anderes, als die genetischen Anlagen eines Tieres für ein bestimmtes Merkmal bzw. Leistung (z.B. Anzahl lebend geborener Ferkel). Diesen Zuchtwert können wir allerdings nicht messen und müssen ihn anhand der erbrachten (=phänotypischen) Leistung eines Tieres schätzen. Schätzen deshalb, weil die phänotypische Leistung nicht nur durch die Genetik (Zuchtwert), sondern auch durch die Umwelt (Betriebsmanagement, Jahreszeit, etc.) beeinflusst wird.

Kurz formuliert kann der Zuchtwert als die genetische Veranlagung eines Tieres hinsichtlich eines definierten Merkmals (z.B. Anzahl lebend geborener Ferkel, Muskelfleischanteil) verstanden werden.

Der Zuchtwert ist ein Schätzwert und bezieht sich nur auf die Population, für die der Zuchtwert geschätzt wurde (z.B. die österreichische Herdebuch-Edelschweinpopulation).

Durch die geschätzten Zuchtwerte können die Tiere innerhalb der Population rangiert (z.B. vom höchsten zum niedrigsten Gesamtzuchtwert) und Unterschiede zwischen den Tieren vorhergesagt werden.

Die Zuchtwerte werden mit einem ssGBLUP–Tiermodell geschätzt. ssGBLUP steht für "single-step genomic best linear unbiased predicton", was soviel bedeutet wie "Ein-Schritt genomisch beste lineare Schätzung." Diese statistische Methode minimiert den Schätzfehler, indem die verschiedenen Umwelteinflüsse „weg korrigiert werden“. Dafür werden die verschiedenen Umwelteinflüsse (z.B. Betrieb, Jahreszeit, Wurfnummer der Sau, usw.) systematisch erfasst und gemeinsam mit allen bekannten Leistungen des jeweiligen Tieres, der verwandten Tiere (Pedigree-Daten) sowie vorhandenen SNP-Daten (genomische Information) im Schätzmodell berücksichtigt.

Dieses ssGBLUP-Tiermodell wird für alle Merkmale bei Mutter- und Vaterrassen angewandt. Alle Zuchtwerte sind genomische Zuchtwerte. Eine Ausnahme stellt das Merkmal Nutzungsdauer dar. Hier kommt eine sogenannte Lebendsdaueranalyse zur Anwendung. Das Merkmal Nutzungsdauer stellt das Ausfallsrisiko des Tieres dar. Für das Merkmal ND gibt es derzeit keine genomischen Zuchtwerte.

Die geschätzten Zuchtwerte können entweder als Naturalzuchtwerte (NZW) dargestellt oder in Indexpunkten ausgedrückt werden. Dabei werden die geschätzten Naturalzuchtwerte auf den Durchschnitt der drei- bis fünfjährigen Herdebuchsauen- und Eber bezogen. Der Gesamtzuchtwert (GZW), der Fruchtbarkeitsindex (GZW-F), der Mast- und Schlachtleistungsindex (GZW-MS), der Wurfvitalitätsindex (GZW-VI) und die Nutzungsdauer (ND) werden mit einem Populationsmittel von 100 und einer genetischen Standardabweichung von 20 Indexpunkten standardisiert. Bei der Fleischbeschaffenheitszahl ist der Populationsmittelwert ebenfalls mit 100 Indexpunkten standardisiert, jedoch entspricht eine genetische Standardabweichung 5 Indexpunkte.

Für alle anderen Merkmale (TGZ, FV, IMF, MFA, LGF, AGF, KL, KAFL) erfolgt die Angabe der Zuchtwerte in ihren naturalen Einheiten (z.B. Gramm, kg/kg, %, Anzahl, cm, cm2), wobei für die Darstellung als Balkendiagramme das Populationsmittel auf 0 gesetzt wird.

Die Markierung 1 und 2 bzw. -1 und -2 beziehen sich auf 1 bzw. 2 genetische Standardabweichungen. Eine genetische Standardabweichung wird in naturalen Einheiten ausgedrückt. Diese sind z.B. bei dem Merkmal Tägliche Zunahme beim Pietrain rund ±30 Gramm, beim Merkmal Anzahl lebend geborener Ferkel beim Edelschwein rund ±0,75 Ferkel.

Hier sind Zuchtwerte, die im Balkendiagramm nach rechts ausschlagen züchterisch wünschenswert. Je weiter der Balken nach rechts ausschlägt, umso mehr weicht der Zuchtwert des jeweiligen Tieres in einem bestimmten Merkmal vom Populationsdurchschnitt in die positive Richtung ab ("besser").

Schlägt der Balken hingegen nach links aus, liegt das jeweilige Tier unter dem Populationsdurchschnitt ("schlechter").

Der Edelschwein-Eber Organ mit der Herdebuchnummer 2796 ist homozygot (reinerbig) stress-resistent (NN), die Abstammung 852160/106 hat 8 Zitzen rechts und 9 Zitzen links (Zi: 8/9). Organ wurde am 22.12.2019 (geb. 22.12.2019) geboren.

Der Gesamtzuchtwert (GZW) von Organ wurde auf 139 geschätzt. Organ weicht fast zwei genetischen Standardabweichungen vom Populationsmittel ab und ist somit dem Populationsdurchschnitt stark überlegen. Der Mast- und Schlachtleistungsindex (GZW-MS) und der Fruchtbarkeitsindex (GZW-F) wurden auf 125 und 153 geschätzt. Der Wurfvitalitätsindex (GZW-VI) beträgt 128.

Organ weist auch eine moderate Verwandtenprüfung auf Station auf. So wurde insgesamt ein Vollgeschwister (VG), 155 Halbgeschwister (HG) und derzeit noch 0 Nachkommen (NK) geprüft.

Gezüchtet wurde Organ von Züchter: Name des Züchters.

Der Mast- und Schlachtleistungsindex (GZW-MS) ist ebenfalls ein Zuchtwert und setzt sich aus den Merkmalen Tägliche Zunahme in Gramm (TGZ), Futterverwertung kg/kg (FV, Futterverbrauch in kg je kg Aufmast), Magerfleischanteil in Prozent (MFA), Fleischbeschaffenheitszahl (FBZ*) und dem Anteil intramuskuläres Fett in Kotelett in Prozent (IMF) zusammen.

Der Fruchtbarkeitsindex (GZW-F) ist ebenfalls ein Zuchtwert und setzt sich aus den Merkmalen Anzahl lebend geborener Ferkel (LGF), Anzahl abgesetzter Ferkel (AGF) und Nutzungsdauer (ND) zusammen.

Der Wurfvitalitätsindex (GZW-VI) ist ein Zuchtwert und setzt sich zusammen aus den Merkmalen durchschnittliches Geburtsgewicht in Kilogramm je Wurf, Streuung der Geburtsgewichte in Kilogramm je Wurf und Wurfvitalität (vierstufige Skala von vital bis nicht vital.

Der Zuchtwert *FBZ ist ein Index und setzt sich zusammen aus Farbhelligkeit, pH1-Wert im Karree und Schinken und dem Drip-Verlust in Prozent.

organ

Organ weicht in den Merkmalen FBZ, LGF, AGF und FBZ stark vom Populationsmittel ab. Der Zuchtwert für die Nutzungsdauer (ND) beträgt 136 und ist somit züchterisch wünschenswert.

Balken

Der Pedigree zeigt den Vater und die Mutter sowie die Großelterntiere von Organ. Der Gesamtzuchtwert, die Indices sowie die Naturalzuchtwerte beziehen sich auf Vater und Mutter.

Abstammung

Abkürzung

Erläuterung

Zi: 10/9

Anzahl Zitzen rechts/links

Geb. 16.03.2018

Geburtsdatum

GZW: 142

Gesamtzuchtwert

GZW-MS: 158

Mast- und Schlachtleistungsindex

GZW-F: 136

Fruchtbarkeitsindex

VG: 2, HG: 33, NK:25

Anzahl geprüfter Verwandter: Vollgeschwister, Halbgeschwister, Nachkommen

NZW

Naturalzuchtwerte, Angabe in der Einheit des jeweiligen Merkmales; Graphische Darstellung als standardisierte Zuchtwerte

TGZ

Durchschnittliche tägliche Zunahme während der Prüfperiode in Gramm

FV

Futterverwertung – Futterverbrauch in kg je kg Aufmast

MFA

Magerfleischanteil in % (berechnet aus dem Anteil wertvoller Fleischstücke)

FBZ

Fleischbeschaffenheitszahl – Index aus den Merkmalen Farbhelligkeit, pH1-Wert im Karree und im Schinken, Dripsaftverlust in %

IMF

Anteil intramuskuläres Fett im Kotelett in %

KL

Körperlänge in cm vom 1. Halswirbel bis zum Beckenschluss, gemessen an der hängenden Schlachthälfte

KAFL

Karreefläche in cm2 an der Spitze der letzten Rippe (musculus longissimus dorsi)

LGF

Anzahl lebend geborene Ferkel

AGF

Anzahl abgesetzter Ferkel

ND

Zuchtwert funktionale Nutzungsdauer

GZW-VI

Wurfvitalitätsindex

Auf Basis dieser geschätzten Zuchtwerte können nun die besten Tiere zur Erstellung der nächsten Generation selektiert werden um Zuchtfortschritt zu erzielen.